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Immungeschwächte Menschen machen fast die Hälfte der bahnbrechenden Krankenhausaufenthalte bei COVID-19 aus – eine zusätzliche Impfdosis kann helfen
Immungeschwächte Menschen machen fast die Hälfte der bahnbrechenden Krankenhausaufenthalte bei COVID-19 aus – eine zusätzliche Impfdosis kann helfen
Anonim

Die US-amerikanische Food and Drug Administration und die Centers for Disease Control and Prevention haben am 12. August bzw. 13. August 2021 offiziell empfohlen, dass Menschen mit mäßiger bis schwerer Immunschwäche eine dritte Dosis des COVID-19-Impfstoffs erhalten.

Ein Grund für diese Empfehlung sind hohe Hospitalisierungsraten bei geimpften immungeschwächten Personen. Bis Juli 2021 war fast die Hälfte der geimpften Personen, die mit bahnbrechenden COVID-19-Infektionen ins Krankenhaus eingeliefert wurden, immungeschwächt – obwohl sie nur 2,7 % der erwachsenen US-Bevölkerung ausmachten. Im Vergleich dazu lag die Rate der Durchbruchsfälle bei geimpften Personen, die nicht immungeschwächt sind, unter 1 %.

Ich bin Arzt und Wissenschaftler, spezialisiert auf Infektionen bei immungeschwächten Patienten. Als jemand, der Autoimmunerkrankungen erforscht und an den COVID-19-Impfstoffstudien mitgearbeitet hat, stimme ich zu, dass eine dritte Dosis des COVID-19-Impfstoffs dazu beitragen kann, Menschen mit geschwächtem Immunsystem zu schützen.

Was bedeutet es, immungeschwächt zu sein?

Menschen mit Immunschwäche haben ein geschwächtes Immunsystem. Dies kann auf bestimmte Krankheiten und deren medizinische Behandlung zurückzuführen sein, wie Krebs, Autoimmunerkrankungen, unbehandeltes HIV, Medikamente zur Organtransplantation und einige Formen von Nierenerkrankungen. Der rote Faden ist, dass die Abwehrkräfte des Körpers gegen Infektionen beeinträchtigt sind.

Zwei Teile des Immunsystems scheinen besonders wichtig zu sein, um Menschen vor einer Erkrankung an COVID-19 zu schützen: T-Zellen und B-Zellen. B-Zellen produzieren Antikörper, die an Viren binden und diese inaktivieren können. T-Zellen töten virusinfizierte Zellen ab, verhindern die weitere Ausbreitung der Infektion und organisieren die allgemeine Abwehrreaktion des Körpers. Verschiedene Arten von immunschwächenden Zuständen und Behandlungen können diese wichtigen Immunzellen entweder abtöten oder ihre Wirksamkeit verringern.

Dies kann zu einer behinderten Reaktion auf Impfstoffe führen. Infolgedessen müssen immungeschwächte Menschen oft andere Impfrichtlinien befolgen als nicht immungeschwächte Menschen, um sich optimal vor einer Infektion zu schützen. Nach einer Knochenmarks- oder Organtransplantation werden Patienten routinemäßig gegen Infektionen wie Hepatitis B geimpft.

COVID-19 ist besonders gefährlich für Immungeschwächte

Schon früh in der Pandemie erfuhren Forscher, dass immungeschwächte Menschen, die mit COVID-19 infiziert sind, zu besonders schweren und lang anhaltenden Infektionen neigen. Dies führt zu einer verlängerten Virusausscheidung, was bedeutet, dass die Zeit, in der diese Infizierten das Virus beim Atmen, Sprechen und Essen freisetzen, viel länger ist. Dadurch haben sie eine höhere Chance, das Virus auf andere zu übertragen.

Lange Infektionen mit schwachen Immunreaktionen sind auch ideale Umgebungen für die Entwicklung und Anpassung des Virus, die es ihm ermöglichen, Menschen besser zu infizieren.

Während immungeschwächte Personen nicht in die anfänglichen COVID-19-Impfstoffstudien aufgenommen wurden, um ein Risiko für sie zu vermeiden, zeigten spätere Studien, dass die zugelassenen Zweidosen-mRNA-Impfstoffregime bei immungeschwächten Personen keine so starke Abwehr gegen COVID-19 stimulieren. Insbesondere Empfänger von Organtransplantationen scheinen nach der Impfung weniger COVID-19-Antikörper zu entwickeln. Das ist nicht verwunderlich, da die bei der Transplantation verwendeten Medikamente absichtlich die Antikörperentwicklung hemmen, um zu verhindern, dass das Immunsystem die gespendeten Organe abstößt. Seitdem haben Pilotversuche mit Organtransplantatempfängern jedoch gezeigt, dass eine zusätzliche Dosis des Impfstoffs zur Stärkung der Immunantwort beitragen kann.

Der beste Schutz für alle vor COVID-19 besteht darin, möglichst viele Menschen so schnell wie möglich impfen zu lassen. In der Zwischenzeit kann eine dritte Impfdosis die Wahrscheinlichkeit eines schweren COVID-19 bei immungeschwächten Menschen sicher und effektiv verringern. Und das konsequente Tragen von Masken, unabhängig vom Impfstatus und unabhängig davon, ob Sie immungeschwächt sind oder nicht, kann auch die Verbreitung von COVID-19 deutlich reduzieren.

Jonathan Golob, Assistenzprofessor für Infektionskrankheiten, University of Michigan

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