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COVID: Warum Sie sich immer noch die Hände waschen müssen
COVID: Warum Sie sich immer noch die Hände waschen müssen
Anonim

Hygiene war ein wesentlicher Bestandteil der Gesundheitsmaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus zu Beginn der Pandemie. Als jedoch Hinweise auf eine Ausbreitung in der Luft auftauchten, verlagerte sich der Fokus auf Masken und in jüngerer Zeit auf die Beatmung.

Tatsächlich hat sich der Fokus für einige so stark von der oberflächlichen Übertragung auf die luftgetragene Übertragung verlagert, dass sie Hygienemaßnahmen – wie das Gelieren der Hände und die Tiefenreinigung von Handläufen – jetzt als sinnlos ansehen. Derek Thomson, ein Autor für The Atlantic, prägte den Begriff „Hygienetheater“, um diese Art von „Ritualen zu beschreiben, die uns ein sichereres Gefühl geben, aber nicht wirklich viel zur Risikominderung beitragen“.

Geben uns diese Hygienemaßnahmen also wirklich ein falsches Sicherheitsgefühl? Sind sie Zeit- und Geldverschwendung? Und warum kümmern wir uns überhaupt um Hygiene, wenn sich COVID hauptsächlich über die Luft verbreitet?

Seit den Tagen von Florence Nightingale gilt Hygiene und insbesondere die Händehygiene als wirksame Maßnahme, um die Ausbreitung von Infektionskrankheiten zu stoppen. Im letzten Jahr hat die öffentliche Gesundheitsberatung die Händehygiene empfohlen, um den Zyklus der COVID-Übertragung zusammen mit anderen Maßnahmen wie Distanzierung und Tragen von Masken zu durchbrechen. Es wurde weniger darauf konzentriert, zu erklären, wie Hände als Vermittler für die Übertragung von Infektionen fungieren können.

SARS-CoV-2 ist eines der resistenteren Coronaviren und kann laut einer aktuellen Überprüfung bis zu 28 Tage auf Glas-, Stahl- und Polymer- und Papierbanknoten überleben. Wir sind uns nicht sicher, wie hoch die minimale Infektionsdosis von SARS-CoV-2 ist, aber neuere Berichte deuten darauf hin, dass nur wenige hundert Viruspartikel (genannt „Virionen“) ausreichen, um eine anfällige Person zu infizieren. Und unser Gesicht ist ein praktisches Portal für diese Viren, um in unseren Körper einzudringen.

Viele Infektionen beginnen, wenn wir Mund, Nase oder Augen berühren. Wissenschaftler, die dieses Verhalten erforschen, stellen fest, dass Menschen ständig ihre Gesichter berühren. Atemwegsviren wie Influenza und SARS-CoV-2 werden zwar hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion übertragen, können aber auch durch kontaminierte Hände übertragen werden, die die Schleimhäute von Nase, Mund und Augen berühren.

Das Risiko dafür hängt von mehreren Faktoren ab, darunter dem Grad der Handkontamination, der Häufigkeit des Handkontakts mit Nase, Augen und Mund und der Infektiosität des Virusstamms. Dies ist derzeit besonders relevant, da immer neue Varianten wie Delta mit höherer Infektiosität und Übertragbarkeit auftauchen.

Die Folgen von Gesichtsberührungen als Möglichkeit einer Selbstinfektion mit Atemwegsviren sind kein neues Konzept. Zuletzt beobachteten Forscher 100 YouTube-Videos von zufälligen Personen und berichteten, dass der durchschnittliche Gesichtskontakt 22 Kontakte pro Stunde betrug – höher bei Männern und zunehmend mit Müdigkeit und Ablenkung. Die Forscher argumentierten, dass eine Änderung des persönlichen Verhaltens eine einfache und kostengünstige Möglichkeit ist, das Risiko einer Infektionskrankheit zu verringern.

Schweizer Käsemodell

Die COVID-Bekämpfung erfordert einen vielschichtigen Präventionsansatz, der persönliche und gemeinsame Interventionen umfasst, wie sie im sogenannten Schweizer Käse-Risikomodell skizziert sind. Keine Maßnahme ist perfekt (sie hat Löcher wie eine Scheibe Schweizer Käse), aber die Kombination verschiedener Maßnahmen hat eine viel größere Chance, die Ausbreitung des Virus zu stoppen.

Augen, Nase und Mund bieten einem Virus wie SARS-CoV-2 einen einfachen Zugangsweg in den Körper. Während nachgewiesen wurde, dass Atemtröpfchen und die Ausbreitung in der Luft der Hauptmechanismus der COVID-Ausbreitung sind, untersuchen die Forscher weiterhin den relativen Beitrag von Oberflächen und Händen zum COVID-Infektionszyklus.

Und die Weltgesundheitsorganisation hat eine oberflächliche Ausbreitung von COVID nicht ausgeschlossen. Auch wenn es nur einen kleinen Prozentsatz der Übertragung ausmacht, ist ein kleiner Prozentsatz einer großen Zahl (etwa eine halbe Million neuer Fälle pro Tag) immer noch eine große Zahl.

Wichtig ist, dass die Forscher verstehen, ob sich die neueren Varianten der Besorgnis anders verhalten. Hygiene ist kein Theater, sondern eine Komponente der Prävention und Kontrolle von Infektionskrankheiten und eine Komponente, über die die Menschen die Kontrolle haben. Und trotz der Übernahme durch COVID in unserer gesamten Kommunikation zirkulieren immer noch andere Infektionskrankheiten und verursachen Infektionen.

Fidelma Fitzpatrick, Senior Lecturer, Klinische Mikrobiologie Royal College of Surgeons in Irland und beratende Mikrobiologin, Beaumont Hospital, Dublin, Irland, RCSI University of Medicine and Health Sciences

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