Das Stresshormon könnte Heroinsüchtige vergessen lassen, dass sie süchtig sind
Das Stresshormon könnte Heroinsüchtige vergessen lassen, dass sie süchtig sind
Anonim

Heroin ist eine Droge mit einem besonders hohen Suchtpotential, ein Symptom davon ist ein starkes Verlangen. Das Stresshormon Cortisol kann laut einer neuen Studie diese Heißhungerattacken dämpfen. Die in Translational Psychiatry veröffentlichte Forschung baut auf früheren Arbeiten auf, die sich auf die Fähigkeit von Cortisol konzentrierten, Suchterinnerungen zu verringern – mit anderen Worten, die Einnahme von Cortisol ließ das Gehirn vergessen, dass es süchtig war.

Heroin – die psychologische Seite der Sucht

Es ist bekannt, dass Heroin zusammen mit vielen anderen Opioiden starke Entzugssymptome wie Übelkeit, Körperzittern, Schwitzen, hohe Temperaturen und Blutdruckschwankungen hervorrufen kann. Diese greifbaren Symptome kommen einem oft in den Sinn, wenn wir versuchen, uns die Gründe vorzustellen, warum es für einen Heroinsüchtigen schwierig ist, mit dem Rauchen aufzuhören.

Es gibt auch starke Abhängigkeitssymptome, die physisch unsichtbar sind, von denen das auffälligste starke Verlangen ist. Ein Heißhunger ist keine körperliche Folge davon, die Droge nicht zu haben; es ist eine starke Erinnerung daran, wie sich der Konsum der Droge anfühlt.

Heroin ist eine Substanz, die im Gehirn einen Ansturm von Endorphinen verursacht und viel stärker ist als alle natürlichen Reize. Wenn wir uns an eine Heroin-Erfahrung erinnern, werden dieselben Hirnareale aktiviert, die während der Erfahrung selbst aktiv werden. Es ist fast so, als ob die Erinnerung das Gehirn neckt und eine starke emotionale Reaktion hervorruft, die Vorfreude und Sehnsucht hervorruft. Dies führt zu einer Abwärtsspirale des Drogenkonsums, denn das einzige, was ein solches Verlangen stillen kann, ist Heroin mit seiner intensiven künstlichen Euphorie.

Warum Cortisol?

Cortisol ist ein Glukokortikoid (Steroidhormon), das in den Nebennieren oberhalb der Niere produziert wird. Seine Wirkungen sind weitreichend, aber Cortisol ist am besten für seine Rolle bei „Kampf-oder-Flucht“-Reaktionen bekannt, wenn wir mit gefährlichen oder stressigen Situationen konfrontiert sind.

Frühere Studien haben die Einnahme von Glukokortikoiden mit einer Verringerung der Erinnerungsfähigkeit des Gehirns in Verbindung gebracht. Diese Entdeckung könnte Patienten mit PTSD-Angststörungen helfen, indem sie es ihnen erschweren, sich an Episoden von Panik oder traumatischen Erlebnissen zu erinnern.

Die an der jüngsten Studie beteiligten Forscher der Universität Basel in der Schweiz stellten die Hypothese auf, dass das Hormon auch eine hemmende Wirkung auf suchtbezogene Erinnerungen hat und somit dazu beiträgt, die Sucht selbst zu reduzieren.

Sie gaben 29 Patienten, die sich derzeit einer heroingestützten Behandlung unterziehen, entweder eine Cortisoltablette oder ein Placebo, bevor sie eine Dosis Heroin erhielten. Die Patienten, die Cortisol erhielten, berichteten im Durchschnitt von einer 25-prozentigen Abnahme des Heißhungers. Diese Abnahme wurde jedoch nur bei Patienten beobachtet, die von niedrigeren Dosen Heroin abhängig waren, und nicht bei Patienten, die von einer höheren Dosis abhängig waren.

Es ist jedoch unklar, ob diese Hemmwirkung auf das Verlangen das tägliche Suchtverhalten der Patienten beeinflusst. "Deshalb wollen wir prüfen, ob Cortisol Patienten helfen kann, ihre Heroindosis zu reduzieren oder länger heroinabstinent zu bleiben", sagt Marc Walter, Chefarzt der Psychiatrischen Universitätskliniken (UPK) Basel, in einer Medienmitteilung.

Es gibt bereits Pläne für zukünftige Forschungen, um festzustellen, ob Cortisol auch eine hemmende Wirkung auf das Verlangen nach Nikotin, Glücksspiel, Alkohol und anderen Süchten haben könnte.

Beliebt nach Thema