Unsere beste Abwehr gegen Krebs ist unser eigenes Immunsystem
Unsere beste Abwehr gegen Krebs ist unser eigenes Immunsystem
Anonim

Die Immuntherapie oder die Verwendung des eigenen Immunsystems einer Person zur Behandlung einer Infektion oder Krankheit steht in letzter Zeit an der Spitze der Krebsforschung. In einer neuen Studie fanden Forscher heraus, dass eine Form der Immuntherapie bei 70 Prozent der Patienten mit einer besonders tödlichen Krebsart, dem sogenannten Multiplen Myelom, eine „signifikante klinische Reaktion“hervorrufen könnte. Diese Ergebnisse unterstreichen nicht nur das Potenzial dieses aufregenden neuen Gebiets, sondern auch die Bedeutung weiterer Immuntherapieforschung.

Die Studie, die online in Nature Medicine veröffentlicht wurde, wurde von Forschern des University of Maryland Medical Center durchgeführt. Zwanzig Patienten mit einer fortgeschrittenen Form des Multiplen Myeloms, einer Krebserkrankung der Plasmazellen, erhielten eine Stammzelltransplantation ihrer eigenen Stammzellen, bevor ihnen rund 2,4 Milliarden genetisch veränderte T-Zellen des Immunsystems injiziert wurden.

Ein gesundes Immunsystem funktioniert, indem es Antigene erkennt, die Nebenprodukte von Bakterien, Viren und anderen Krankheitserregern. Sobald diese Antigene erkannt werden, produziert das Immunsystem Antikörper, um die Krankheit abzuwehren und zu zerstören. Leider hat Krebs eine Möglichkeit, das Immunsystem zu umgehen. Doch mit dieser Form der Immuntherapie konnten die Forscher die genetisch veränderten T-Zellen nutzen, um Krebs zu erkennen und zu vermeiden.

Für die Studie wurden die T-Zellen des Patienten gentechnisch verändert, um einen Rezeptor für ein Tumorantigen, das als Krebs-Hoden-Antigen (CT-Antigen) bekannt ist, zu enthalten, von denen zwei bei etwa 60 Prozent der Patienten mit fortgeschrittenem Myelom vorhanden sind. Mit dem CT-Antigenrezeptor wurden die T-Zellen ausgestattet, um das Myelom zu erkennen und anschließend das Immunsystem einzusetzen, um es zu finden und zu zerstören. Die Ergebnisse zeigten, dass 14 von 20 Patienten (etwa 70 Prozent) drei Monate nach der Behandlung ein nahezu vollständiges oder vollständiges Ansprechen aufwiesen; das mediane progressionsfreie Überleben betrug 91,1 Monate, während das Gesamtüberleben 32,1 Monate betrug.

Obwohl die Studie klein war, sind die Ergebnisse signifikant, sagte Studienautor Dr. Aaron P. Rapoport in einer Pressemitteilung. „Die Mehrheit der Patienten, die an dieser Studie teilnahmen, hatte einen signifikanten klinischen Nutzen. Sogar Patienten, die später einen Rückfall erlitten, nachdem sie ein vollständiges Ansprechen auf die Behandlung erreicht hatten oder kein vollständiges Ansprechen hatten, hatten Zeiten der Krankheitskontrolle, die sie meiner Meinung nach sonst nicht erlebt hätten. Einige Patienten sind nach fast drei Jahren immer noch in Remission."

Neben dem beeindruckenden Ansprechen auf die Immuntherapie wurden bei keinem der Patienten größere Nebenwirkungen berichtet. Dies deutet darauf hin, dass die Behandlung nicht nur wirkt, sondern auch ein geringes Gesundheitsrisiko darstellt.

Jedes Jahr gibt es in den Vereinigten Staaten schätzungsweise 24.000 neue Fälle von multiplem Myelom. Und obwohl der Krebs behandelbar ist, bleibt er unheilbar. Derzeit sind Chemotherapie und autologe Stammzelltransplantationen die beliebtesten Behandlungsoptionen für Menschen mit multiplem Myelom. Aber selbst mit diesen Behandlungen bleiben die langfristigen Reaktionen gering und die medianen Überlebensraten liegen zwischen drei und fünf Jahren. Rapoport sagt, dass die Ergebnisse eine starke Grundlage für die weitere Erforschung des Einsatzes der zellulären Immuntherapie zur Behandlung des multiplen Myeloms darstellen, mit der Hoffnung, eines Tages das Überleben zu verlängern.

Die Immuntherapie hat ein enormes Potenzial als Krebsbehandlung. Im Gespräch mit Sky News sagte Roy Herbst, Chefarzt der medizinischen Onkologie am Yale University Cancer Center, dass die Immuntherapie eine „wirksame Heilung“für alle Krebsarten sein könnte. Seine Einschätzung wird durch die Ergebnisse einer Juni-Studie gestützt, in der ein Immuntherapeutikum zur Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Melanom untersucht wurde. Mehr als die Hälfte der an der Studie beteiligten Patienten sahen eine signifikante Verringerung der Tumorgröße.

Je mehr Wissenschaftler auf diesem spannenden Gebiet der Krebsbehandlung forschen, desto deutlicher wird die wichtige Rolle der Immuntherapie. Laut Herbst ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Immuntherapie die Chemotherapie als Standard in der Krebstherapie ablöst.

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