In Nervenzellen umgewandeltes Blut kann zur speziellen Schmerzbehandlung verwendet werden
In Nervenzellen umgewandeltes Blut kann zur speziellen Schmerzbehandlung verwendet werden
Anonim

Im Laufe eines Monats haben Wissenschaftler der McMaster University in Kanada aus einer gewöhnlichen Blutprobe funktionierende Nervenzellen gemacht. Ihre Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift Cell Reports veröffentlicht wurden, legen einen radikal neuen Ansatz nahe, um die Schmerzbehandlung zu spezialisieren und wichtige prognostische Informationen für Menschen mit chronischen Erkrankungen zu liefern.

In den USA leiden etwa 100 Millionen Menschen oder ein Drittel der Bevölkerung an einer Form von chronischen Schmerzen. Es betrifft mehr Menschen als Diabetes, Herzkrankheiten und Krebs zusammen. Trotz dieser herausragenden Prävalenz stehen Wissenschaftler vor einem kritischen und fesselnden Dilemma: Das menschliche Nervensystem steht für eine Biopsie nicht zur Verfügung. Das bedeutet, dass sie nur unspezifische Ansätze zur Schmerzbehandlung entwickeln können, die möglicherweise mit unerwünschten Nebenwirkungen gespickt sind.

„Wenn ich ein Patient wäre und Schmerzen verspürte oder eine Neuropathie erleidet, würde das für mich geschätzte Schmerzmittel auf die Neuronen des peripheren Nervensystems abzielen, aber nichts für das zentrale Nervensystem tun, wodurch nicht süchtig machende Arzneimittelnebenwirkungen vermieden werden“, sagte Mick Bhatia, Direktor des McMaster Stem Cell and Cancer Research Institute und leitender Autor der Studie. Leider existiert ein solches Medikament noch nicht. Doch die neuesten Erkenntnisse bringen Bhatia und seine Kollegen einen Schritt näher.

Bei ihrer Untersuchung entnahmen die Wissenschaftler Blutproben aus den Armen der Patienten und verwandelten das Blut durch eine patentierte Technik mit einer Art von Stammzellen namens neuralen Vorläuferzellen in funktionierende Nervenzellen. Diese Zellen funktionieren sowohl als Zellen des zentralen Nervensystems – die sich im Gehirn und in der Wirbelsäule befinden – als auch als periphere Nervenzellen, die im Rest des Körpers zu finden sind und helfen, Dinge wie Juckreiz, Temperatur und Schmerzen zu regulieren.

"Niemand hat dies jemals mit Blut von Erwachsenen getan", sagte Bhatia. "Je."

Wissenschaftler können jetzt intelligentere Fragen zu den Schmerzen ihrer Patienten stellen. Anstatt alle Schmerzen gleich zu behandeln, können sie herausfinden, warum manche Menschen Taubheitsgefühl haben und andere Schmerzen empfinden; feststellen, ob der Schmerz genetischer Natur ist; und vorhersagen, ob jemand mit Diabetes später im Leben eine diabetische Neuropathie erleidet. Laut Bhatia ermöglichen die Ergebnisse „breite und unmittelbare Anwendungen“.

Langfristig lassen sich daraus patientenspezifische Medikamente entwickeln. Im Gegensatz zu Opioiden und anderen Schmerzmitteln, die den Schmerz oft nur betäuben, indem sie das Signal an das Gehirn dämpfen und bei den Benutzern ein unscharfes Gefühl hinterlassen können, könnten die neuen Medikamente entwickelt werden, um Schmerzen direkt an der Nervenstelle zu behandeln.

„Du willst dich nicht schläfrig oder unbewusst fühlen, du willst nur, dass deine Schmerzen verschwinden“, sagte Bhatia. „Aber bis jetzt hatte niemand die Fähigkeit und die erforderliche Technologie, um tatsächlich verschiedene Medikamente zu testen, um etwas zu finden, das auf das periphere Nervensystem und nicht auf das zentrale Nervensystem auf patientenspezifische oder personalisierte Weise abzielt.“

Läuft alles nach Plan, können Krankenhäuser ein System der Patientenversorgung einführen, bei dem der Arzt eine Blutprobe entnimmt und sofort erkennen kann, welche Risiken auf ihn zukommen. Dieser „Bench-to-Bed“-Ansatz ist äußerst spannend, sagt Akbar Panju, Kliniker und Professor für Medizin.

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