Denken große Köpfe gleich? Der Einfluss der Kultur auf Ihre kreativen Denkfähigkeiten
Denken große Köpfe gleich? Der Einfluss der Kultur auf Ihre kreativen Denkfähigkeiten
Anonim

Hinter jedem großen Künstler steht eine große Muse. Diese Muse stimuliert die Kreativität des Künstlers bei der Arbeit, sei es bei Filmen, Musik oder Malerei. Eine neue Studie, die im Journal of Business Research veröffentlicht wurde, ergänzt jedoch die Liste der Inspirationsquellen. Es stellt sich heraus, dass die Kultur einer Nation die Kreativität beeinflussen kann.

Um diese Theorie zu untersuchen, beschlossen Gad Saad, Mitautor der Studie und Professor an der John Molson School of Business von Concordia, und seine Kollegen, "Brainstorming-Aufgaben mit kulturneutralen Stimuli in Taiwan und Kanada durchzuführen". Brainstorming fördert den Kreativitätsprozess. Kreativität und Innovation sind einzigartig in der Kultur eines Landes, daher ist es die Kombination aus Kultur und Kreativität, die dazu beiträgt, die Ideen und Werte einer Gesellschaft umzusetzen. Taiwan gilt als kollektivistische Gesellschaft, während Kanada individualistischer ist.

Kollektivistische Kulturen betonen naturgemäß die Bedürfnisse und Ziele der Gruppe als Ganzes über die Bedürfnisse und Wünsche jedes Einzelnen. Die Beziehungen zwischen den Mitgliedern dieser Gesellschaft und die Vernetzung zwischen ihnen spielen eine Rolle für die Identität eines Individuums. Im Vergleich dazu betonen individualistische Kulturen die Bedürfnisse des Einzelnen gegenüber den Bedürfnissen der Gruppe als Ganzes. In dieser Kultur werden Menschen eher als unabhängig und autonom denn als Teil des Kollektivs angesehen.

Saad und seine Kollegen stellten die Theorie auf, dass ein Land, das auf das Kontinuum von Individualismus versus Kollektivismus fällt, die kreative Leistung sowohl in Einzel- als auch in Gruppen-Brainstorming-Szenarien beeinflussen würde. Die Daten wurden von ungefähr 300 Studenten von zwei Universitäten gesammelt, eine in Taipeh und die andere in Montreal. Die Teilnehmer wurden auf der Grundlage von fünf Maßnahmen bewertet, die normalerweise in Gruppen-Brainstorms zu sehen sind, darunter:

  1. Die Anzahl der generierten Ideen

  2. Die Qualität der Ideen, bewertet von unabhängigen Juroren

  3. Die Anzahl der geäußerten negativen Aussagen innerhalb der Brainstorming-Gruppen, wie zum Beispiel "Das ist eine dumme Idee, die scheitern wird."

  4. Die Wertigkeit der negativen Aussagen - "Das ist die dümmste Idee aller Zeiten" ist stärker negativ besetzt als "Diese Idee ist eher banal".

  5. Das Vertrauensniveau, das von den Gruppenmitgliedern gezeigt wird, wenn sie gebeten werden, ihre Leistung im Vergleich zu anderen Teams zu bewerten

Die Ergebnisse zeigten, dass diejenigen aus individualistischen Gesellschaften im Vergleich zu ihren kollektivistischen Gegenstücken eine größere Anzahl von Ideen produzieren. "Die Studie hat unsere Hypothesen weitgehend unterstützt", sagte Saad in der Pressemitteilung. "Wir haben festgestellt, dass die Individualisten viel mehr Ideen haben. Sie haben auch mehr negative Aussagen gemacht - und diese Aussagen waren stärker negativ. Die kanadische Gruppe zeigte auch eine größere Selbstüberschätzung als ihre taiwanesischen Kollegen."

Wenn es jedoch um die Qualität der produzierten Ideen geht, punkten Kollektivisten tendenziell etwas höher. Saad und seine Kollegen glauben, dass dies mit einem wichtigen kulturellen Merkmal dieser Gesellschaften übereinstimmt. Kollektivistische Gesellschaften sind bekanntlich reflexiver als handlungsorientierte, was bedeutet, dass sie den Reflex haben, genauer nachzudenken, bevor sie sich auf eine Vorgehensweise festlegen.

Diese Ergebnisse könnten Auswirkungen darauf haben, wie internationale Teams und globale Unternehmen in Bezug auf die Produktivität miteinander interagieren. Brainstorming hilft bei der Produktion neuartiger Ideen wie etwa neuer Produktinnovationen, ist aber in verschiedenen Kulturen möglicherweise nicht die effektivste Strategie. Saad betonte: „Auch wenn Einzelpersonen aus kollektivistischen Gesellschaften weniger kreative Ideen haben, ist die Qualität dieser Ideen in der Regel genauso gut oder geringfügig besser als die ihrer individualistischen Gegenstücke. Das müssen Arbeitgeber erkennen."

Daher ist es für die Industrie unabdingbar, neue Anforderungen zu erfüllen und zu schaffen, die sowohl in individuellen als auch in kollektiven Zielen wurzeln und nicht nur in der Funktionalität eines Produkts. Eine ähnliche Studie, die von KEA, einem in Brüssel ansässigen Forschungs- und Beratungsunternehmen, im Auftrag der Europäischen Kommission durchgeführt wurde, ergab, dass kulturbasierte Kreativität die Kraft haben kann, Normen und Konventionen zu eliminieren, wenn es um wirtschaftliche Wettbewerbsstrategien am Arbeitsplatz geht. Studien wie diese sind hilfreich, um die kulturellen Unterschiede zu verstehen, die unter anderem bei Geschäftsverhandlungen auftreten.

Denn Kreativität liegt im Auge des Betrachters.

Quellen: Cleveland M, Ho L und Saad G. Individualismus – Kollektivismus und die Dimensionen Quantität versus Qualität der kreativen Leistung von Einzelpersonen und Gruppen. Zeitschrift für Wirtschaftsforschung. 2015.

KEA. Der Einfluss der Kultur auf die Kreativität. Europäische Kommission. 2009.

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