Was gibt's Neues? Die automatische und fest verdrahtete Reaktion des Gehirns auf Neuheiten aufschlüsseln
Was gibt's Neues? Die automatische und fest verdrahtete Reaktion des Gehirns auf Neuheiten aufschlüsseln
Anonim

Unser Gehirn stellt sich automatisch auf Neues ein. Obwohl Ihre gedankenlose Reaktion auf ein neues Gesicht in der Menge oder ein neues Kleid in einem Schaufenster flüchtig sein mag, hat dieser Eindruck sowohl kurz- als auch langfristige Auswirkungen auf Ihr Gehirn. Mit Blick darauf, wie sich Neuheit auf uns auswirkt, schlagen zwei Psychologen einen neuen Rahmen vor, der die neurobiologischen Prozesse in drei Reaktionsgruppen kategorisiert: Wahrnehmung, Erregung und Gedächtnis.

In ihren bisherigen Forschungsarbeiten haben Dr. Judith Schomaker von der Justus-Liebig Universität in Deutschland und Dr. Martijn Meeter von der VU Universität Amsterdam die Auswirkungen neuartiger Umgebungen auf den Hippocampus und die Gedächtnisbildung untersucht. Ihre frühere Arbeit schlägt vor, dass unser Gehirn so verdrahtet ist, dass es gedankenlos auf alles Neue reagiert, was ein entscheidendes Überlebenswerkzeug ist. Schließlich kann die sofortige Anpassung an eine extreme Umgebung – sei es ein Regenwald oder ein Kriegsgebiet – über Leben und Tod entscheiden.

Selbst in unserem alltäglichen, unextremen Leben sind die kognitiven Auswirkungen des Neuen real. Nehmen wir zum Beispiel die Tatsache, dass Wissenschaftler herausgefunden haben, dass unser Gehirn eine einfache Hörabweichung bereits 30 bis 40 Millisekunden nach ihrem Auftreten erkennt. Andere Studien haben bewiesen, dass Wörter, die in einzigartigen, ungewöhnlichen Schriftarten präsentiert werden, besser im Gedächtnis bleiben als Wörter, die in Standardschriftarten präsentiert werden.

Was ist dann die Biologie, die unserer unmittelbaren und unbewussten Reaktion auf Neues zugrunde liegt? In ihrer neuen Studie überprüfen die Forscher die verschiedenen Vorteile dieser Fähigkeit und teilen sie dann in drei verschiedene Komponenten auf.

Wahrnehmung, Erregung, Gedächtnis

„Erstens kann Neuheit die Wahrnehmung vorübergehend verbessern“, schreiben die Co-Autoren in ihrer aktuellen Studie. Immer wenn wir auf das Unbekannte stoßen, aktiviert eine Kaskade von Gehirnreaktionen mehrere neuromodulatorische Systeme, sagen sie. Neuromodulation tritt auf, wenn Sender durch große Bereiche des Nervensystems diffundieren; Anstelle einer direkten synaptischen Übertragung von einem Neuron zum nächsten wird eine ganze Population von Neuronen gleichzeitig erleuchtet. Neuheit verbessert also unsere frühe sensorische Verarbeitung, indem sie die Amygdala durch Neuromodulation aktiviert.

Zweitens können neuartige Reize unsere Erregung steigern, was „in den ersten Hundert Millisekunden nach der Präsentation zu kurzlebigen Auswirkungen auf die Handlung führt“, schreiben die Autoren. Insbesondere das Bemerken von etwas Neuem aktiviert die Locus-Coeruleus-Region des Gehirns, die eine wichtige Rolle im Noradrenalin-System spielt. Und Noradrenalin ist der Neurotransmitter, der für die Art der hyper-bewussten Konzentration verantwortlich ist, die mit einem Zustand der Erregung und der Bereitschaft zum Handeln einhergeht.

Drittens und schließlich kann räumliche Neuheit – wenn wir eine neue Umgebung betreten – die Freisetzung von Dopamin im Hippocampus auslösen, wo unser Gehirn faktische Erinnerungen festigt. Laut den Forschern kann diese Flut von Dopamin, einem Neurotransmitter, der für unser Belohnungssystem entscheidend ist, länger anhaltende Auswirkungen (zehn Minuten oder länger) auf Motivation, Belohnungsverarbeitung sowie Lernen und Gedächtnis haben.

„Neuheit hat vielfältige Auswirkungen auf die Kognition; die Wahrnehmung und das Handeln verbessern, die Motivation steigern, Erkundungsverhalten auslösen und das Lernen fördern “, so die Autoren. Während unsere Reaktion auf etwas Neues nur von kurzer Dauer sein mag – wir blicken in ein vorbeiziehendes Gesicht und schauen schnell weg –, können die Auswirkungen auf unsere Erinnerungen, möglicherweise sogar unser Leben, von Dauer sein.

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