Eine biologische Lösung für Tierpandemie
Eine biologische Lösung für Tierpandemie
Anonim

EUREKA-Projekt E! 4104 ECOPROMAT hat eine neuartige und umweltfreundliche Mattenart zum Schutz vor der Ausbreitung ansteckender Tierkrankheiten wie der Vogelgrippe und für die Routinehygiene in der Tier- und Lebensmittelproduktion entwickelt. Mit Desinfektionslösung getränkt, kann die Matte zur Desinfektion von Fahrzeugreifen, Schuhen und Stiefeln des Personals verwendet werden. Da es zu 100 % aus Naturfasern besteht, ist es sehr aufnahmefähig gegenüber Desinfektionslösungen; es ist zudem vollständig biologisch abbaubar und vermeidet somit die hohen Entsorgungskosten synthetischer Alternativen. Die Unterseite besteht aus dicht gewebtem Gewebe für Festigkeit und ist mit Naturharz imprägniert, um das Eindringen von Desinfektionsmittel in den Boden oder die Verdünnung des Desinfektionsmittels durch das Grundwasser zu verhindern.

Ausbrüche ansteckender Tierseuchen wie Vogelgrippe, Maul- und Klauenseuche und bovine spongiforme Enzephalopathie (BSE) veranlassen die nationalen und regionalen Gesundheitsbehörden, umfassende Maßnahmen zu ergreifen, um die Ausbreitung dieser Krankheiten zu verhindern. Die wirtschaftlichen Kosten solcher Ausbrüche sind schwer abzuschätzen, aber sie können zu erheblichen Störungen der landwirtschaftlichen Produktion und der Nahrungsmittelverteilung sowie zu Umweltproblemen bei der Entsorgung infizierter Tiere und kontaminierter Materialien führen; plus weit verbreitete öffentliche Angst.

Die Ausbreitung von Krankheiten stoppen

Die meisten Tierseuchen werden über Kleidung, Schuhe oder landwirtschaftliche Geräte, Ausrüstung oder die Reifen von Fahrzeugen übertragen, die mit infizierten Tieren Farmen besuchen. Wenn Maßnahmen zur öffentlichen Gesundheit verhängt werden, muss das Personal Desinfektionsbarrieren passieren, um den Transport von Bakterien- oder Viruspartikeln zu stoppen.

Die verschiedenen bisher verwendeten Methoden haben alle Nachteile. Es ist mühsam, kostspielig und erfordert Arbeit für den Austausch, wenn Personen und Fahrzeuge durch ein flaches Bad mit Desinfektionslösung oder eine Wanne mit in Desinfektionsmittel getränktem Sägemehl oder Holzspäne passieren müssen. Ein anderer Ansatz ist eine Matte mit einer äußeren Polyesterschicht, einer absorbierenden Schicht aus Polyurethan und einer dritten PVC-Schicht, um das Eindringen von Desinfektionsmittel in den Boden zu verhindern; oder eine mit Nitrilkautschuk hinterlegte Nylonfasermatte. Die in diesen Matten verwendeten Rohstoffe machen die Entsorgung jedoch schwierig und kostspielig und erfordern spezielle Aufbereitungsanlagen für den Abbau.

Naturfasern sind die Lösung

Die von den ECOPROMAT-Partnern entwickelte neue Matte besteht ebenfalls aus drei Schichten, verwendet jedoch ausschließlich natürliche Materialien. Die unterste Schicht ist ein dicht gewebtes Hanf-, Flachs- oder Jutegewebe, das aufgrund seiner Zähigkeit, Widerstandsfähigkeit und Flexibilität ausgewählt und mit Hanf- oder Jutefasern vernäht wurde. Diese Schicht wird durch Imprägnierung mit Naturharzen veredelt, die das Versickern des Desinfektionsmittels in den Boden und auch die Verdünnung des Desinfektionsmittels durch Aufnahme von Grundwasser verhindern. Die Mittellage der Matte ist ein stark saugfähiges Vlies, das deutlich hygroskopischer ist als die synthetische Alternative. Die obere Schicht besteht aus gewebtem, vernadeltem Jutegewebe, das schützend und langlebig ist, um das zentrale Reservoir vor Druck z.B. von darüber gefahrenen Fahrzeugen. Dr. Jerzy Mankowski vom Polnischen Institut für Naturfasern und Heilpflanzen erklärt, dass Matten aus Flachs- und Hanffasern im Gegensatz zu synthetischen Alternativen vollständig biologisch abbaubar und umweltfreundlich sind.

Das Institut für Naturfasern, das das Projekt ECOPROMAT leitete, wurde von der deutschen Firma Bioformtex aus Zehdenik als Partner unterstützt. Die Hauptaufgabe des Instituts bestand darin, das dreilagige Vliesprodukt mit entsprechender Stärke, Dicke und Gewicht zu entwickeln, um eine ordnungsgemäße Aufnahme der Desinfektionslösung zu ermöglichen, jedoch kein Eindringen des Desinfektionsmittels in den Boden zu ermöglichen. Verschiedene Kombinationen von Flachs und Hanf wurden getestet, um die mechanischen und Vernadelungsparameter zu bestimmen, die die Zugfestigkeit und das Erholungspotential beeinflussen; um das geeignetste und kostengünstigste Textilmaterial für die unterste Schicht zu ermitteln.

Bioformtex hat die dichte Vliesmittelschicht und die genadelte Oberschicht aus Jute entwickelt. Es untersuchte auch die Zugabe von Desinfektionsmittel in Pulverform zur Vliesschicht während der Produktion und entwickelte Kompostierbeschleuniger, um den Abbau des Naturharzes in der Matte zu unterstützen.

In Produktion

Die Matten werden jetzt von Bioformtex und einer anderen Firma hergestellt, die nicht am ursprünglichen Projekt beteiligt war: Lenkon aus Polen. Die Gesamtproduktion von Matten hat etwa eine halbe Million Quadratmeter pro Jahr erreicht. Das polnische Tierarzneimittelunternehmen BIOWET Drwalew, das Desinfektionsmittel und zugehörige Ausrüstung liefert, liefert die Matten an gewerbliche Anwender. Die Rendite der Projektinvestition wird innerhalb von 4-5 Jahren erwartet.

Die Matte ist durch polnische und europäische Patente geschützt und wird in Geflügel-, Schweine- und Rinderproduktionseinheiten, Molkereien, Fleischverarbeitungsbetrieben und Schlachthöfen, Imkereien und Lebensmittelverarbeitungsbereichen verwendet. Es wird auch für allgemeinere antibakterielle Hygiene verwendet, z.B. Pilzkeller und Gewächshäuser; landwirtschaftliche Forschungszentren, Grenzübergänge und Quarantänegebiete.

Die Anschaffungskosten für die neue Matte sind gering - zwischen 10-12 € pro Quadratmeter, was eine erhebliche Einsparung gegenüber synthetischen Matten von 15-20 € pro Quadratmeter bedeutet. Kosteneinsparungen resultieren auch aus der biologischen Abbaubarkeit der neuen Naturfasermatten, wodurch kontaminierte Matten wesentlich einfacher und kostengünstiger entsorgt werden können als die synthetischen Alternativen.

Preisgekrönte Innovation

Die Teilnahme am internationalen EUREKA-Projekt wurde für die Partner als sehr vorteilhaft empfunden. „Die Beteiligung des Instituts an dem Projekt ermöglichte es uns, in unseren Labors bisher nicht vorhandenes Testequipment zu nutzen“, sagt Jerzy Mankowski. "Dadurch konnte das Forschungspotenzial des Instituts verbessert werden." Als Ergebnis des Projekts erhielt das neue Mattenmaterial zahlreiche Innovationspreise, darunter Goldmedaillen auf der EUREKA-Messe in Brüssel und dem Salon International des Inventions in Genf.

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