Phantomglieder häufiger als bisher angenommen
Phantomglieder häufiger als bisher angenommen
Anonim

Nach dem Verlust einer Gliedmaße erleben die meisten Patienten das Gefühl einer Phantomgliedmaße – die lebhafte Illusion, dass der amputierte Arm oder das amputierte Bein noch vorhanden ist. Eine Schädigung des Nervensystems, wie beispielsweise ein Schlaganfall, kann bei geschwächten Gliedmaßen ähnliche Illusionen hervorrufen, wobei sich ein Arm oder ein Bein anfühlen kann, als ob es sich in einer völlig anderen Position befindet oder sich sogar so anfühlt, als ob es sich bewegt, wenn dies nicht der Fall ist. Fälle von Phantomgliedern bei Nichtamputierten galten bisher als seltene Ereignisse, aber eine neue Studie, die in der Oktober-Ausgabe 2010 von Elsevier's Cortex (http://www.elsevier.com/locate/cortex) veröffentlicht wurde, berichtet, dass mehr als die Hälfte der Patienten nach einem Schlaganfall kann es tatsächlich zu Phantomempfindungen kommen.

Dr. Daniel Antoniello vom Albert Einstein College of Medicine, New York, befragte zusammen mit Kollegen der Universitäten von Colorado und Florida sowie der New York University 50 Patienten nach einem Schlaganfall, um herauszufinden, wie häufig Phantomgliedmaßen sind und auch zu bestimmen die Merkmale solcher Erfahrungen. Sie fanden heraus, dass 27 der Befragten Phantomempfindungen hatten, viele davon täglich; sie bewegten sich, um ihre Position im Bett zu ändern, nur um festzustellen, dass ihr Arm unter ihnen war, anstatt neben ihnen; andere würden fühlen, wie ihre Zehen oder Finger wackeln, obwohl sie es nicht waren; einige konnten sogar ihr Phantomglied kontrollieren, z. B. den Arm ausstrecken, um einen Juckreiz zu kratzen, was den Juckreiz natürlich nicht lindern würde.

Dr. Antoniello schlägt vor, dass ein möglicher Grund für die Unterberichterstattung über das Phänomen darin besteht, dass "Patienten Angst haben, als 'verrückt' bezeichnet zu werden, und diese Empfindungen weniger wahrscheinlich als andere Symptome melden." Eine detaillierte Untersuchung des Körperbildes war auch nicht Teil der klinischen Standardbewertung von Schlaganfallpatienten.

„Die Studie gibt Aufschluss darüber, wie sich das phänomenale Körpererlebnis nach neurologischen Schäden verändern kann“, erklärt Dr. Antoniello. „Bemerkenswert ist, dass einige dieser Personen in der Lage sind, ihre Phantomglieder fast vollständig zu kontrollieren. Dieser Bericht hat eine Gruppe von Patienten identifiziert, die eine wertvolle Gelegenheit bietet, zu erforschen, wie das Gehirn die bewusste Wahrnehmung des Körpers konstruiert.“

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